Das war 2025

Das neue Jahr – 2026, die Zahl fühlt sich noch sehr komisch und ungewohnt an – ist erst eine gute Woche alt, da geht ein schneller Jahresrückblick doch noch voll in Ordnung, oder?

Das Jahr 2024 hatte von mir keine guten Noten bekommen und ehrlich gesagt, fällt es mir auch schwer, das jüngst vergangene Jahr wirklich positiv zu bewerten. Neben den schönen Momenten und dem absoluten Highlight ziemlich zur Jahresmitte, war auch 2025 irgendwie auf vielen verschiedenen Ebenen einfach anstrengend.

Von ungefähr Ostern bis zu meinem Urlaub Mitte August war ich „in a bit of a slump“ – objektiv betrachtet ohne wirklichen Grund für Unzufriedenheit, aber genau das war ich – unzufrieden und zwar am allermeisten mit mir. Ich habe mich unproduktiv gefühlt – und ehrlich gesagt, war ich es auch – ich hatte (zu) viel Zeit, die ich nicht sinnvoll gefüllt bekommen habe, ich war untergründig dauer-genervt. 2024 war: Viele Termine und Gespräche, viel Dringliches, mit Deadline, mit Verantwortung, dazu noch ganz andere Challenges obendrauf.

Und dann saß ich da ab dem Frühsommer plötzlich da – mit ungewohnt viel freier Zeit, die jetzt nicht mehr durch Meetings und dringliche to dos von allein gefüllt wurde, sondern von mir aktiv gestaltet werden musste. Und das habe ich schlecht hinbekommen und so ist viel Zeit tatsächlich ungenutzt verstrichen. Was mich tierisch unzufrieden gemacht hat, aber irgendwie habe ich es auch nicht hinbekommen, daran etwas zu ändern.

Ab dem 1. September, einem Montag und meinem ersten Tag zurück nach dem Sommerurlaub, wurde das besser. Jede Woche war plötzlich wieder „irgendetwas“. Ich hatte an sechs Wochenenden vier mal dienstliche Termine, zum Teil ganztägig, ich hatte Abendtermine, ich war häufig, mehrmals pro Woche, mit der Kamera unterwegs zu (Foto-)Terminen. Der Kalender füllte sich plötzlich wieder von Zauberhand und die to do-Liste auch, denn es ist ja nicht mit dem Termin getan, in der Regel ergibt sich die Arbeit ja erst daraus: Texte schreiben, Fotos bearbeiten, social media-Beiträge einstellen, Pressemitteilungen verschicken. Auch mein Content Plan war plötzlich wieder bunt und voller Inhalt. Und obwohl eigentlich quasi weniger Zeit war als vorher, hab ich es bis Mitte Dezember sehr regelmäßig zum Sport geschafft (meistens zwei Mal pro Woche) – weil ich es fest eingeplant habe und weil es tatsächlich fast die einzige Zeit ist, wo mein Kopf einfach mal nix denkt.

Meine Gemütslage war also über weite Teile des Jahres vor allem: unzufrieden. Daneben war dieses Jahr aber auch sehr lehrreich. Dass ich mich mit Terminstress und ein bisschen Chaos (subjektiv) besser fühle als mit viel freier und leerer Zeit, war jetzt keine neue Erkenntnis, aber wurde noch einmal extrem bestätigt.

Ich habe aber auch gelernt, dass ich spontan(er) sein kann, als ich bisher von mir dachte. Vor allem dann, wenn es für andere wichtig ist, dass ich spontan bin, wenn Einspringen und akute Problemlösung gefragt sind. Und ich habe erfahren, dass sich aus Spontanität und ein klein bisschen Mut manchmal die schönsten vier Tages des Jahres ergeben können. Ich habe gelernt, dass ich vielleicht doch mehr Einfühlungsvermögen und Empathie habe, als ich bisher von mir kannte. Habe auch gelernt (und lerne noch) den Unterschied zu kennen zwischen „gebraucht zu werden“ und „gebraucht werden zu wollen“.

Und neben all dem steht aber auch die Erkenntnis: Im Großen und Ganzen mag ich mich eigentlich ganz gern. Zum Jahresende habe ich meinen 33. Geburtstag gefeiert – also, nicht mit einer großen Feier, aber ich feiere das Älterwerden (und die 33 finde ich eine wunderbare Zahl). Ich wollte als Kind immer schon gern größer und älter sein und ich finde es bis jetzt großartig, weil ich mich immer besser kennenlerne, je älter ich werde, und seit ungefähr 30 das Gefühl habe, so einigermaßen zu wissen, wer ich bin. In vielen Beziehungen weiß ich auch sehr genau, was ich will. Und in anderen Beziehungen stellen sich aber auch, gerade jetzt in diesem Alter, neue Fragen. Stellen sich Dinge in Frage, die jetzt irgendwie dran wären, aber es doch nicht sind. Das sind zum Teil große Fragen, deren Antwort nicht unendlich Zeit hat. Mit deren Antwort ich mir nicht unendlich Zeit lassen kann. Das wird weitergehen.

Zum ersten Mal gemacht in diesem Jahr?
Allein und nur für mich und ziemlich spontan Flüge gebucht. Manchester und Norderney und Frankfurt/Main besucht. Die h-moll-Messe gesungen – was für wunderbare Musik.

Zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gemacht?
In einem Flugzeug gesessen. Nicht kurz vor dem Weihnachtsoratorium krank gewesen.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Wie immer – und wie vielleicht bei den meisten – lautet die Antwort auf diese Frage: Mit meiner Familie. Da gehören ja sowieso schon einige Personen dazu und mittlerweile auch noch einige mehr und in der ganz großen Runde sind wir tatsächlich nur selten zusammen. Aber in ganz verschiedenen Konstellationen haben wir in diesem Jahr einige schöne Dinge zusammen unternommen und das genieße ich sehr, weil egal, mit wem und wie lange und wo wir zusammen sind, es ist immer schön und immer Familie. Und gleich danach, würde ich sagen, mit Musik und den vielen verschiedenen Menschen, mit denen ich in diesem Jahr Musik gemacht habe. Highlight waren da definitiv die ersten beiden Mai-Wochenenden mit nicht nur 7 Konfirmations-Gottesdiensten mit der Band in Ibbenbüren, sondern auch der lang er-probten h-moll-Messe in Dortmund.

Die wichtigste beste Entscheidung, die ich in diesem Jahr getroffen habe?
„Du buchst jetzt diese Flüge und ein Hotelzimmer und fährst nach Manchester. Du bereust es sonst.“ Und es war ein Volltreffer und hands down das Highlight meines Jahres.

Das beste Buch, das ich gelesen habe?
Das ist in diesem Jahr gar nicht so einfach, denn es war keins dabei, das besonders heraussticht. Am ehesten wahrscheinlich „Die Gleichzeitigkeit der Dinge“ von Husch Josten, das meine Mutter entdeckt und mir empfohlen hatte. Sehr kluge Gedanken, wunderschön verpackt, zum Leben und zum Tod.

Die schönste Musik, die ich neu entdeckt habe?
Paul Heaton und Jacqui Abbott sind irgendwann während der Pandemie-Zeit auf einem Radar erschienen. Auf der Rückfahrt aus dem Urlaub habe ich dann mehr zufällig eins ihrer Alben ausgewählt und angehört, das es mir sofort angetan hatte. Seitdem lief es einige Wochen lang rauf und runter – auf längeren Autofahrten, wenn ich abends die Küche mache, das Bad putze oder einfach so. „Crooked Calypso“ hat (dicht gefolgt von der h-moll-Messe) den unangefochtenen Platz 1 in meinem Spotify Wrapped am Jahresende inne gehabt. Jede Melodie ein Ohrwurm und Texte, die wirklich zum Hinhören anregen.

Der beste Film/die beste Serie, die ich gesehen habe?
Da war, wie bei den Büchern auch, nix dabei, was raussticht. Zum Jahresanfang hab ich mir innerhalb von vier oder fünf Wochenenden alle Harry Potter-Filme „hintereinander“ gegönnt. Das war mal wieder richtig schön, auch wenn ich so im direkten Vergleich gemerkt habe, dass das Gefühl, das ich mit diesen Romanen, diesen Filmen, dieser Welt verbinde, vor allem aus den ersten drei, vielleicht vier Büchern und Filmen stammt. Danach wird’s einfach sehr düster und irgendwie weniger ‚magisch‘.

Das beste Konzert, das ich besucht habe?
Ich zitiere mich an dieser Stelle mal selbst: „Tim Minchins Konzert war ein absolut einmaliges Erlebnis. Auch wenn es zuvor schon mehr als 20 Shows gegeben hatte, hatte man zu keinem Moment das Gefühl, dass hier einfach ein Programm abgespult wird. Im Gegenteil, so hat Minchin es zwischendurch auch gesagt, kein Abend ist wie der andere, vor jeder Show überlegt er neu, welchen Song er wie angeht. Es gab ein Foto- und Filmverbot – und ja, ich hätte liebend gern was aufgenommen, aber so fühlte es sich wirklich an wie eine große Gemeinschaft, die wir alle dort zusammen in diesem Theater etwas erlebt haben, was es nicht nochmal so geben wird. Die drei Stunden, die er gespielt hat (inkl. Pause), haben sich wie drei Minuten angefühlt und trotz gefühlter 30 Grad im Opera House hätte ich auch noch drei weitere Stunden dort sitzen bleiben können.“

Sting in Mönchengladbach war allerdings auch sehr cool!

Und für’s nächste (dieses) Jahr?
Wünsche an 2026 hab ich eigentlich keine. Nach drei Jahren in Folge, die alle auf ihre Art wirklich bescheiden begonnen haben, darf es gern mal ohne größere Katastrophen starten. Und dann sehen wir mal, wo es hinführt.

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