Münster.

Seit Dienstag wohne ich jetzt auch „offiziell“ in Münster. Und anders als vor gut vier Jahren in Trier, fiel mir das dieses Mal ganz leicht.

Letztes Jahr um etwa diese Zeit habe ich hier schon etwas geschrieben zu meiner Beziehung zu Trier, der Stadt, in der ich zum ersten Mal alleine gewohnt habe, und zu Bielefeld, „meiner zweiten“ Stadt.

Kann es sein, wie es zwischen Menschen ja auch immer mal vorkommt, dass man sich entweder auf Anhieb „riechen“ kann und sich sympathisch ist oder eben nicht, dass es so auch mit Städten geht?

Während Trier für mich irgendwie in den ganzen drei Jahren immer ein bisschen fremd blieb, war mir Bielefeld quasi sofort ganz nah und deutlich heimischer. Jetzt wohne ich zum dritten Mal in einer neuen Stadt – wobei das gar nicht ganz richtig ist, denn Münster war deutlich weniger neu und fremd und unbekannt für mich als Trier oder Bielefeld. Weihnachtsmarkt oder Shopping-Nachmittage, einen guten Grund, die 40 km bis nach Münster zu fahren, gab es öfter mal. Dennoch ist es noch einmal etwas anderes, in dieser Stadt dann auch zu wohnen – und natürlich habe ich es dennoch bereits unzählige Male hinbekommen, mich in Münster zu verfahren.

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Mit dem Umzug in eine neue Stadt steht natürlich auch die Anmeldung bei eben dieser Stadt an. Wie schon in Trier war da die Entscheidung zwischen Erst- und Zweitwohnsitz. Anders als in Trier, fiel mir diese Entscheidung jetzt aber sehr leicht. Denn die Frage, welche Stadt der Erstwohnsitz sein soll, ist häufig auch eine finanzielle Frage. In Trier gab/gibt es eine Zweitwohnsitzsteuer. Von jedem Einwohner, der einen Zweitwohnsitz anmeldet und dadurch die Stadt um Einnahmen für einen zusätzlichen Bürger bringt, wird im Gegensatz eine Steuer in Höhe von 10% der Kaltmiete verlangt.

In Trier habe ich diese Zweitwohnsitzsteuer gezahlt, fast ohne mit der Wimper zu zucken. Alleine die Anmeldung eines Zweitwohnsitzes in einer neuen Stadt fiel mir schon schwer, auf eine unbestimmte, nicht wirklich zu erklärende Art und Weise. Ibbenbüren, meine Heimat, die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, „aufzugeben“, das konnte ich nicht, das wollte ich nicht.

Jetzt stellte sich diese Frage also erneut, denn auch in Münster gibt es die Zweitwohnsitzsteuer. Wäre die nicht, hätte ich meinen Erstwohnsitz in Ibbenbüren behalten. Aber dieses Mal wog der finanzielle Aspekt stärker: 300 Euro im Jahr, jedes Jahr, nur damit auf meinem Personalausweis weiterhin meine Ibbenbürener Adresse steht? Dazu war ich jetzt, obwohl ich dank Job finanziell grundsätzlich wohl besser dastehe, schlichtweg nicht bereit.

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Und auch unabhängig vom Geld fiel die Entscheidung dieses Mal leicht, denn anders als 2012 hat sich in mir nichts gesträubt bei dem Gedanken, Ibbenbüren künftig „nur“ noch als Zweitwohnsitz zu haben. Vielleicht hat es einfach etwas damit zu tun, dass ich älter geworden bin. Vielleicht habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass es eigentlich wirklich unerheblich ist, was auf dem Ausweis steht oder wo ich letztlich in welcher Weise gemeldet bin. Heimat ist Heimat und wird es auch bleiben – egal, was auf dem Ausweis steht oder wieviel Zeit ich an welchem Ort verbringe. Vielleicht ist mir Münster einfach „sympathischer“ als Trier.

Woran auch immer es letztlich liegt: Ich wohne jetzt, auch ganz offiziell, in Münster. Ich genieße es sehr, dabei ganz flexibel zu sein und mal für einen Nachmittag, mal für eine Nacht oder – wie in der letzten Woche aufgrund einer OP in der Familie – auch mal für fünf Tage nach Hause zu fahren, ansonsten aber mein eigenes Leben zu führen in meiner Wohnung und einer Stadt, wo ich mich einfach pudelwohl fühle.

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Das heißt selbstverständlich nicht, dass alles immer nur eitel Sonnenschein ist. Ich komme aus dem Münsterland – wenn mir Kommilitonen erzählen, dass in Münster so oft das Wetter so schlecht sei und es so häufig regne, dann denke ich bei mir, dass auch Münster da kein Exklusivanrecht drauf hat. Was natürlich auch nicht heißt, dass ich Regen mag. Und gestern war es dann wirklich, wirklich, wirklich etwas arg. Als ich bei der Arbeit ankam, fühlte ich mich wie der sprichwörtliche begossene Pudel und sah vermutlich auch so aus. Denn egal wie das Wetter, natürlich fährt man und fahre ich mit dem Rad.

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Auf dem Rückweg war es dann noch viel heftiger, sodass ich Mantel, Schal, Regenhose und Schuhe vor der Wohnungstür ausgezogen und schnurstracks über der Badewanne zum Austropfen und Trocknen aufgehängt habe. Egal, ob in Ibbenbüren, Trier, Bielefeld oder Münster – Regen ist immer nass, eklig und ungemütlich. Manche Dinge sind eben überall gleich.