Das Nichtstun lernen

In der letzten Woche hatte ich Urlaub. Urlaub zuhause, versteht sich. Fünf Tage nicht (oder nur sehr wenig) an die Arbeit denken, fünf Tage Entspannung, Freizeit, Nichtstun. Das hatte ich mir schön vorgestellt, aber es war dann gar nicht so einfach.

Nichtstun bedeutet übersetzt bei mir: Nichts produktives tun. Ich wollte viel lesen, viel Klavier spielen/üben, viel rausgehen, wandern, neue Ecken entdecken. Und nachdem ich den halben Samstag mit dem Frühjahrsputz in der Küche verbracht und am Sonntag eine lange, letzte Schnee-Runde gelaufen war, waren die Voraussetzungen eigentlich perfekt.

Doch zunächst einmal sorgten die höheren Temperaturen und der schmelzende Schnee dafür, dass es draußen nicht nur unansehnlich, sondern auch unangenehm nass wurde. Als ich von einer Runde – nur durch die erweiterte Siedlung – mit klatschnassen Füßen zurückkam, schob ich den Gedanken an weitere Spaziergänge erst einmal weg. Auch der Versuch am Donnerstag (als ich annahm, dass alles mittlerweile wieder abgetrocknet sein könnte), das Teutoschleifchen am Canyon zu laufen, scheiterte wegen Wegen, die sich regelrecht in Bäche verwandelt hatten.

Blieb noch lesen. Und Klavier spielen. Backen. Das Nichtstun genießen. Es stellte sich raus, gar nicht so überraschend: Ich kann das nicht. Jedenfalls nicht gut. Jedenfalls nicht zuhause. Ständig guckten mich die Fenster an, die so dringend geputzt werden sollten. Oder der Schrank im Flur, den ich schon ewig mal aufräumen wollte. Ich habe mich mehr oder minder dazu gezwungen, all diese Dinge nicht zu tun – es ist doch schließlich Urlaub – aber wirklich zufrieden war ich nicht.

Das klingt bis hierhin, als sei der Urlaub scheußlich gewesen, aber ganz so war es dann doch nicht. Ein paar kleine Kleinigkeiten habe ich doch erledigt, einige Seiten gelesen, ein neues und dringend notwendiges Strickprojekt angefangen und „Bridgerton“ gesehen. Und außerdem bin ich für ein verlängertes Wochenende nach Hause gefahren, habe dort ein wenig für die Familie gekocht und bin am Samstag dann auch endlich – und sogar in Gesellschaft – eine längere Runde gelaufen/gewandert. Was für ein Wetter war das – kaum zu glauben, dass es nur eine Woche her war seit den Schneemassen. Aber wie gut tat die Sonne! Am Sonntag folgte noch eine kleine Radtour durch die Heimat und insgesamt ging die Woche Nichtstun dann tatsächlich sehr versöhnlich und entspannt zu Ende.

Ich hoffe dennoch sehr, dass irgendwann in diesem Jahr noch Urlaub auch noch einmal bedeutet wegfahren zu können. Vor dem Zelt gelingt es mir nämlich prima, den ganzen Tag im Stuhl zu sitzen und zu lesen. Da gibt es ja auch keine Fenster, die man mal putzen könnte…

One Reply to “Das Nichtstun lernen”

  1. Das geht mir genauso. Urlaub im Strandkorb ein Horror, Fernsehen ohne zusätzliche Beschäftigung schwierig. Nur in die Wolken schauen und funktionslose, zielfreie Minuten genießen, eine Wahnsinnsherausforderung. Muss ich üben, scheint gesünder zu sein, sagen Experten.
    Toi, Toi, Toi für uns beide!

    Elke Jüngling says:

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