Entschleunigung – Zelturlaub in Xonrupt-Longemer

Draußen ist es grau, windig und nass – das perfekte Wetter also, um es sich zuhause gemütlich zu machen und in wehmütigen Erinnerungen an den schönen Sommerurlaub zu schwelgen. Auf Instagram tue ich das schon seit einiger Zeit, aber auch hier auf dem Blog möchte ich einige (viele) der unzähligen Fotos aus meinem/unserem Zelturlaub in Xonrupt-Longemer in den Vogesen zeigen und ein bisschen erzählen.

Ziel unserer Reise war Xonrupt-Longemer in den Vogesen, ein kleines Örtchen mit Badesee und zahlreichen Campingplätzen. Unterwegs mit (dem neuen) Zeltanhänger, wollten wir es aber gemütlich angehen lassen und machten drei Nächte Station in Achern im Schwarzwald, auf einem kleinen, aber feinen (Durchgangs-)Campingplatz, auf dem meine Eltern und Bruder vor drei Jahren auf dem Weg in den Urlaub gestrandet waren, als der ADAC einige Tage für die Reparatur des Autos brauchte. Direkt an der Autobahn gelegen, aber schön gepflegt und mit einem herrlichen Badesee, es hätte sie damals schlimmer treffen können. Nun steuerten wir diesen Platz bewusst an, Freunde aus dem Elsass kamen mit ihrem Zelt ebenfalls dazu und meine Patentante aus der Pfalz radelte ebenfalls für eine Nacht an. Und weil wir es wirklich gemütlich angehen lassen wollten und es noch dazu auf der Strecke lag, hielten wir auf dem Weg dorthin sogar noch für einen kleinen Stadtbummel und einen Kaffee in Heidelberg.


Dass ich auf den allermeisten Bildern aus diesem Urlaub so schief aussehe, ist übrigens ein Überbleibsel meines Fahrradunfalls zu Beginn der Sommerferien und der dabei zugezogenen Ellbogenprellung, wegen der ich meinen rechten Arm lange Zeit nicht ganz strecken konnte. Mittlerweile geht’s aber wieder.

Von Achern aus unternahmen wir eine „kleine“ Wanderung im schönen Schwarzwald – ohne Proviant, denn es sind „nur“ acht Kilometer und wir wollen doch unterwegs einkehren. Leider wussten wir nicht, dass die Einkehrmöglichkeit nur am Wochenende geöffnet hat, ebenso wie die Schwarzwaldstube, an der wir das Auto geparkt hatten. Drei Äpfel mussten für fünf Leute also herhalten, ehe wir glücklich, aber hungrig wieder am Campingplatz ankamen. Und ein Bad im See und das hervorragende griechische Restaurant auf dem Platz entschädigten sowieso für alles.

In den Vogesen angekommen, erkundeten wir erst einmal den Nachbarort Gérardmer (Longemer, unser Ort, ist so klein, dass es nicht einmal einen Supermarkt gibt) und den Lac de Longemer. Unser Camping Verte Vallée liegt nicht direkt am See, sondern einige Fußminuten entfernt, was uns aber nichts ausmachte – erst Recht nicht, als wir den „Schleichweg“ entdeckten, der uns statt entlang der Straße durch das angrenzende Wäldchen zum Strand bringt. Der Campingplatz selbst ist sehr familiär, die Inhaber sehr freundlich, es sind viele Familien mit Kindern dort, erfreulich viele Zelte (und zu Spitzenzeiten 12 Zeltanhänger!) und gefühlt 95 Prozent der Camper sind Niederländer. Ja, von denen trifft man auf Zeltplätzen immer viele, aber hier waren es so viele, dass die Kinderanimation am Abend auf Niederländisch läuft. Aber es gibt Schlimmeres, Niederländer empfinde ich jedenfalls in der Regel als sehr gelassene und freundliche Platznachbarn.

Wenn man Urlaub in den Bergen macht, wird gewandert, das ist doch klar, oder? Die erste Wanderung führte uns zur nur wenige Meter vom Campingplatz entfernten Cascade de Retournemer und dem namensgebenden Lac du Retournemer, weiter zur Cascade de Charlemagne und dann in einem Bogen und über einen extrem schmalen Pfad zurück zum Campingplatz. Das war dann auch die Gelegenheit für mich festzustellen, dass Höhe nicht gleich Höhe ist. Ich habe grundsätzlich keine Höhenangst, klettere ohne Probleme auf Leitern und die höchsten Türme und Gebäude und genieße den Ausblick und Blick nach unten. Aber dieser Pfad, neben dem es unmittelbar steil den Abhang hinabging, zu schmal, als dass zwei Personen nebeneinander her oder aneinander vorbei hätten laufen können, der war nichts für mich. Ich war – trotz des wunderbaren Blicks, der sich zwischenzeitlich durch die Baumwipfel hindurch (!) auf den Lac de Longemer bot – mehr als glücklich, als wir wieder auf Seehöhe angekommen waren.

Eine weitere Wanderung führte uns zur Cascade Saut de la Bourrique – ein weiterer Wasserfall mit geradezu lächerlich wenig Wasser. Es muss wohl eine ganze Zeitlang vor unserem Urlaub sehr trocken gewesen sein in der Region – übrigens auch, während wir da waren. Aber der Rundweg führte durch wunderbare Wälder und, darüber war vor allem ich sehr froh, über breitere Wege als der erste und überall war es herrlich frisch und grün.

Der Weg begann und endete am Lac de Gérardmer – ein gutes Stück größer als „unser“ Lac de Longemer, aber deswegen auch gleich viel touristischer, inklusive Segelschule und allem anderen, was man dort so erwarten kann. Ganz nett, aber unser „kleiner“ See gefiel mir besser.

Tatsächlich haben wir neben den Wanderungen nur einen „klassischen“ Ausflug gemacht – und der ging nach Colmar. Ich war noch nie dort gewesen und ich war auch noch nie in einer vergleichbaren Stadt. Es ist einfach so hübsch dort. Alles ist (oder wirkt zumindest) sehr alt – man muss schon sehr genau hinsehen, um ein Haus zu entdecken, das kein Fachwerkhaus ist – alle Häuser haben bunte Fensterläden und überall stehen oder hängen bunte Blumen. Manchmal war ich nicht ganz sicher, ob es noch schön oder schon Kitsch war – aber ich habe mich definitiv in diese Stadt verliebt.

So schön es ist in den Bergen – es bedeutet eben auch, dass man immer erst über die steile, kurvige Straße hinauf und hinab muss, wenn man irgendwo anders hinmöchte. Was vielleicht ein Grund dafür war, dass wir uns kaum aus „unserem“ Tal wegbewegt haben. Andererseits hat so eine Bergstraße natürlich auch die besten Ausblicke zu bieten. Mehrfach sind wir über den Col de la Schlucht und unter dem Roche du Diable hergefahren und auf dem Rückweg aus Colmar mussten wir dann auch einmal anhalten und die üblichen Touri-Fotos machen.


Da ist der Lac de Longemer, davor unser Campingplatz.

Habe ich geschrieben, dass es während unseres Urlaubs die meiste Zeit trocken war? Stimmt ja auch. Einige Male hatten wir nachts ein wenig leichten Regen – und einen komplett verregneten Tag. Aber mal ganz ehrlich: Ein Campingurlaub ist erst perfekt, wenn es auch mal einen Tag durchregnet. Es gibt kaum etwas gemütlicheres, als im Zelt zu sitzen und dem Regen zuzusehen und -zuhören, und es gibt nichts spannenderes, als zu beobachten, wie die anderen Camper mit dem Regen zurechtkommen (Regen ist der einfachste Weg, um Campinganfänger von erfahrenen Campern zu unterscheiden). Ja, der eine oder andere fing an, Gräben um sein Zelt bzw. seinen Wohnwagen zu buddeln. Am späten Nachmittag verzog sich der Regen dann und übrig blieben Nebel bzw. dicke Wolken in den Bäumen und über den Bergen. Zum Sonnenuntergang zog es uns zum See, wo wir die schnell ziehenden Wolken, Farbspiele am Himmel und Spiegelungen im See fotografisch einzufangen versuchten.

Am Tag nach dem Regen – leider schon unser letzter Tag – war der Himmel blauer, die Luft klarer und frischer als an allen Tagen vorher. Wir nutzten das Wetter für einen Besuch auf dem Markt in Gérardmer und eine letzte kleine Wanderung, eher ein Spaziergang, zur Saut des Cuves – endlich, nach dem Regen vom Vortag, einmal ein Wasserfall, der auch ordentlich Wasser führt – und zum Pont des Fées bzw. den Iles Marie-Louise und Perles de la Vologne (die Vologne ist der Fluss, der überall dort und sogar quer über den Campingplatz fließt und die Wasserfälle speist) .

Es war so schön – und es war so entspannend. Tatsächlich gibt es nichts, was mich mehr runterbringt, keinen Ort, an dem ich besser entspannen kann oder glücklicher bin, als mit einem Buch in der Hand vor dem Zelt. Ich habe nie anders Sommerurlaub gemacht als auf Zeltplätzen und ich kann mir auch nichts anderes vorstellen. Es entschleunigt so sehr, morgens aus dem Zelt zu treten und ab dem Zeitpunkt den ganzen Tag draußen zu sein, in einträchtiger Stille neben anderen Campern sein Geschirr zu spülen, unter der Dusche die Gespräche französischer (in diesem Fall häufiger niederländischer) Kinder in den Kabinen nebenan zu „belauschen“, zu guter Zeit in’s Bett zu gehen, weil es irgendwann dunkel (oder in diesem Urlaub an manchen Abenden recht frisch) wird… Tatsächlich gelang das Runterkommen auf diesem Campingplatz noch einmal besonders gut, auf dem das lauteste das gelegentliche Bellen einiger Hunde oder Motorradfahrer in den Bergen waren – es war so ruhig dort, inmitten der Berge, dass man sich fast ein wenig abgeschnitten von der Welt vorkam.

Das einzig Schlechte an diesem Urlaub? Er war zu kurz. Aber das ist ja eigentlich fast jeder Urlaub. Oder?

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